16.11.2009 - SAULHEIM
Von Andreas Riechert
OBERLIGA SG Saulheim zaubert im Rheinhessenderby gegen die TG Osthofen ein 36:17 aufs Parkett
Ungefährdeter Kantersieg für die SG Saulheim: Im Rheinhessen-Derby der Handball-Oberliga gegen die in allen Belangen hoffnungslos unterlegene TG Osthofen behielten die Saulheimer im ersten Heimspiel unter ihrem neuen Coach Karl-Peter Kilz klar mit 36:17 (18:8) die Oberhand und gehören in dieser Form wieder zu den heißen Meisterschaftsanwärtern.
Die SG war im Vergleich zu ihren bisherigen, häufig phlegmatisch und unentschlossen wirkenden Auftritten vor eigenem Publikum nicht wiederzuerkennen. Von der ersten Minute an hochkonzentriert und hellwach, kauften die spiel- und kampfstarken Saulheimer den eingeschüchterten Gästen aus Osthofen früh den Schneid ab und ließen zu keinem Zeitpunkt der Partie Zweifel daran aufkommen, welches Team das Feld vor rund 550 begeisterten Zuschauern im Ritter-Hundt-Sportzentrum als Sieger verlassen wird.
Angetrieben vom wurfgewaltigen Rückraum Ben Venter und vom aus allen Lagen treffsicheren Frederick Schuhmacher, demonstrierten die Hausherren endlich wieder jenen schnellen und schnörkellosen Handball, der die SGler über weite Phasen der vergangenen Saison ausgezeichnet hatte. Zahlreiche sehenswerte Tempogegenstöße, ein schier unüberwindbarer Innenblock und ein aggressiver Gesamtauftritt verdeutlichten die bereits lesbare Handschrift von Karl-Peter Kilz, der den zuvor strauchelnden Titelaspiranten schon bei seinem Amtsantritt gegen die HSG Eckbachtal zu einem überzeugenden Auswärtserfolg geführt hatte. Entsprechend zufrieden mit der Leistung seines Teams zeigte sich der Saulheimer Übungsleiter, für den die Reaktion seiner Mannschaft auf die ersten zehn Minuten der Partie entscheidend war. "Ganz am Anfang hatte Osthofen uns kurz im Griff, aber danach haben wir konsequent auf allen Positionen das Tempo angezogen und auch bis zum Ende hochgehalten", freute sich Kilz.
Dass SG-Keeper Sascha Radewald zudem einen herausragenden Tag erwischt hatte und die ohnehin konsternierten Osthofener Schützen mit seinen Paraden und Reflexen reihenweise zur Verzweiflung brachte, erachtete der Sobernheimer als weiteres wichtiges Mosaiksteinchen zum auch in dieser Höhe vollauf verdienten doppelten Punktgewinn. "Wenn alle so mitziehen wie in den letzten beiden Partien und wir Spaß am Handball haben, dann funktioniert´s bei uns. So einfach ist das. Denn Handballspielen können wir", resümierte Kilz, dessen Team gegen die harmlose und am Ende resignierende TG im zweiten Abschnitt eine Vielzahl technischer Kabinettstückchen zeigte und fast nach Belieben traf. "Der Trainerwechsel war die absolut richtige Entscheidung", fasste SG-Abteilungsleiter Edwin Walldorf seine durchweg positiven Eindrücke zusammen.
SG Saulheim: Radewald, Stengel (nicht eingesetzt); Schmidt, Rürup (1), Höfer (5/1), Jung (1), Schuhmacher (8), Venter (7), Acker (5), Vuletic (2), Kröhle (7), Herberg (nicht eingesetzt).
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| Benjamin Kröhle überlistet Hermann Pitthan. 36 Gegentreffer musste Osthofens Torwart einstecken.photoagenten/Axel Schmitz |
Wie ein Salatpflänzchen ohne Wasser
16.11.2009 - SAULHEIM
Von Volker Schütz
DERBYPLEITE TG Osthofen geht bei der SG Saulheim ein / Hausherr macht´s beim 17:36 noch gnädig
Das war eine ordentliche Tracht Prügel für die Handballer der TG Osthofen. Dass es für sie in dieser Oberliga-Saison schwer werden würde, war von Beginn an klar. Nimmt man freilich den Auftritt beim Derby in Saulheim als Maßstab, dann stellt sich die Frage, ob die Wonnegauer in dieser Klasse nicht tatsächlich deplatziert sind. Verlieren ist okay. Aber mit 17:36 (8:18) einfach einzugehen wie ein Salatpflänzchen ohne Wasser - das war schlicht der "verdiente Lohn" für die indisponierte Crew von Trainer Kalli Gärtner. Und das war nicht okay. Denn nur 20 Minuten hatte der Gast wenigstens versucht kämpferisch dagegenzuhalten, danach war selbst das weg. "Darüber müssen wir in dieser Woche reden", kündigte Gärtner Gespräche an. "Das war von uns einfach nur schwach."
Dabei hatten die Saulheimer nicht mal einen "Sahnetag" erwischt. Was sich unter anderem darin zeigte, dass dem ehemalige Osthofener Spielertrainer Leo Vuletic etliche technische Fehler unterliefen. Zugegeben, die Hausherren waren als erklärter Favorit in die Partie gegangen, zumal sie nach der Heimpleite gegen Biewer/Pfalzel ihrem Publikum eine Menge schuldig waren. Klar war aber auch: Die SG war nach dem Trainerwechsel von Martin Reuter zu Karl-Peter Kilz noch weit entfernt von 100 Prozent. Aber wo war in dieser Skala die TG Osthofen? Gegen diesen sich als Mannschaft selbst aufgebenden Gegner wäre für den Hausherrn ein Rekordresultat drin gewesen. So hatte es schließlich den Anschein, als würde der Nachbar am Ende sogar noch Milde walten lassen. Was fast noch schlimmer sein kann...
TGO-Coach Gärtner musste sich nach Spielschluss erst einmal sammeln: "Wir hatten uns so viel vorgenommen. Aber davon hat nichts geklappt." Bis zum 10:7 (19.) sah´s ja noch ganz passabel aus, doch dann gelang dem Gast bis zur Pausensirene eigentlich nichts mehr. Freddy Schumachers fünfter Treffer in der 30. Minute bedeutete das 18:7 für die Saulheimer, bis der Ex-Saulheimer Bodo Bach mit seinem einzigen Treffer der Partie noch das 8:18 markierte. In elf Minuten war alles verspielt worden - elf Minuten ohne erkennbaren Widerstand. "Da haben wir das Spiel einfach weggegeben, obwohl noch gar nichts entschieden war", war Gärtner bedient. Der hatte noch in einer Auszeit probiert, mit ganz schwerem Gerät bis zu den Köpfen seiner Spieler vorzudringen, doch vergebens. Gärtners Stimme war trotz musikalischer Berieselung während der Auszeit bis auf die Zuschauerränge vernehmbar.
Gefruchtet hatte es nichts. Nur in verschiedenen Einzelaktionen war das Osthofener Bemühen fortan erkennbar, die Pleite in Grenzen zu halten. So wird das aber freilich nichts. Anders der zuletzt wenig überzeugende Hausherr: "Wir sind wieder als Mannschaft aufgetreten", freute sich SG-Trainer Kilz bei seinem Heimdebüt nach seiner Rückkehr auf die SG-Bank. "Wir haben die einfachen Tore gemacht und kaum noch etwas zugelassen." Was freilich nicht so schwer war.
Osthofen: Pitthan, Montino, Michi Keller (3), Torsten Keller, Hofmann (3), Pfaff (1), Bach (1), Bitsch, May, Stumm (4), Reichelt (2), Kreisel (3), Tyoschitz.
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